CIO Letter Q4 2026: KI-Boom und geopolitische Risiken prägen den Jahresendspurt 2026
"Die Kapitalmärkte profitieren weiterhin von einer außergewöhnlich starken Gewinndynamik und dem globalen KI-Investitionszyklus. Gleichzeitig sind viele Märkte bereits weit gelaufen. Wir setzen deshalb auf ein ausgewogenes Qualitätsportfolio und nutzen Volatilität gezielt für antizyklische Anpassungen", sagt Daniel Kerbach, Chief Investment Officer bei BayernInvest.
KI und Halbleiter treiben das Gewinnwachstum – Asien und USA vorne
Die Q2-Berichtssaison bestätigt die regionale Präferenz der BayernInvest. Der MSCI AC Asia Pacific verzeichnete im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von rund 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen von KI und Halbleitern – mit Taiwan und Korea im Zentrum der starken Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Die US-Unternehmen überzeugten mit rund 40 Prozent Gewinnwachstum im S&P 500, wobei sich die Dynamik über die großen Technologiekonzerne hinaus verbreitert hat. Europa zeigt ein differenzierteres Bild: Für den STOXX 600 wird ein Gewinnwachstum von rund 20 Prozent erwartet, ohne den dominierenden Energiesektor sind es nur rund 13 Prozent.
Zentralbanken und Geopolitik bestimmen den weiteren Jahresverlauf
Die globalen Anleiherenditen standen im Sommer unter Aufwärtsdruck, getrieben von hartnäckigen Inflationsrisiken, hohen Emissionsvolumina und angespannten Staatsfinanzen. Die Spannungen im Iran-Konflikt halten zudem die Energiepreise hoch. Die EZB hat ihre Leitzinsen im September erneut angehoben; die BayernInvest erwartet eine weitere Anhebung und rechnet Mitte 2027 mit einer ersten Zinssenkung. In den USA sieht die BayernInvest die Hürde für deutliche Zinserhöhungen höher als vom Markt eingepreist – nach der Erhöhung im September dürfte die Fed den Leitzins insgesamt um 50 Basispunkte anheben. Während die US-Wirtschaft robust bleibt, zeigt sich die Erholung in Europa – und insbesondere in Deutschland – weiterhin fragil.
Portfoliostrategie: Aktienquote reduziert, Gold und Infrastruktur übergewichtet
Die BayernInvest hat ihre Aktiengewichtung über den Sommer aktiv rebalanciert und leicht unter die neutrale Zone abgesenkt, hält aber an ihrer höheren Einschätzung für US- und Schwellenländeraktien fest. Im Anleihenbereich bleibt die BayernInvest im kurzen bis mittleren Laufzeitenband positioniert und erwartet mittelfristig eine Versteilerung der Zinskurve. Bei den alternativen Investments hat die BayernInvest ihre Gold-Position von einfacher auf doppelte Übergewichtung erhöht und sieht den jüngsten Rücksetzer als guten Einstiegspunkt in Richtung der 5.000-Dollar-Marke. Infrastrukturinvestments – sowohl Equity als auch Debt und Private Equity – bleiben ebenso übergewichtet wie Rohstoffe insgesamt, während Immobilien und Private Credit weiterhin einfach untergewichtet werden.
"In einem Umfeld mit vielen offenen Fragen ist Qualität keine defensive, sondern eine aktive Entscheidung. Unsere Allokationsstrategie verbindet aktives Risikomanagement mit beständiger Substanz – genau das gibt unseren institutionellen Kunden auch im vierten Quartal Orientierung", fasst Kerbach zusammen.