Wie wirken Nachhaltigkeitskriterien/ -ratings auf die Performance?

Die Frage, ob man auf Rendite verzichten und/oder ein höheres Risiko in Kauf nehmen muss, wenn man der Kapitalanlage ökologische, soziale oder auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogene Kriterien berücksichtigt, wird seit vielen Jahren intensiv diskutiert. Dabei hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Anleger eine schlechtere Performance in Kauf nehmen müssen, wenn sie das magische Dreieck der Kapitalanlage – Risiko, Rendite und Liquidität – um eine vierte Dimension, die Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements der Emittenten, erweitern. Zahlreiche Studien widerlegen dieses Vorurteil.

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien kann sich grundsätzlich positiv auf die Performance einer Kapitalanlage auswirken.

Nachhaltigkeitskriterien schärfen das Bild

Befürworter einer nachhaltigen oder klimakompatiblen Kapitalanlage sind davon überzeugt, dass die Berücksichtigung entsprechender Kriterien dabei hilft, die Risiken und Chancen einzelner Emittenten bzw. Anlageobjekte besser bewerten zu können. Unternehmen, die effizient mit Energie umgehen und eine Antwort auf den Klimawandel haben, ihre Mitarbeiter laufend qualifizieren oder sich bei der Gestaltung ihrer Produkte an den steigenden umweltbezogenen und sozialen Anforderungen ihrer Kunden orientieren, werden ihrer Einschätzung nach auch wirtschaftlich langfristig erfolgreicher sein.

Nachhaltigkeitskriterien können auch effektiv im Risikomanagement eingesetzt werden. So lassen sich Risiken identifizieren, die sich negativ auf den Portfolioerfolg auswirken. Die Reduktion der Risiken bezieht sich dabei nicht nur auf finanzielle Risiken des Kapitalmarkts, sondern darüber hinaus auch auf beispielsweise mögliche Reputationsrisiken eines Anlegers durch Investitionen in Wertpapiere, die den eigenen Prinzipien widersprechen.

Analysen stützen Befürworter

Was plausibel klingt, wird durch eine Vielzahl von Analysen statistisch untermauert. Eine Analyse der Universität Hamburg mit dem Titel „ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies“ aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass sich Nachhaltigkeitskriterien grundsätzlich positiv auf die Performance/ den Ertrag auswirken können. Das Ergebnis basiert auf einer Auswertung von etwa 2.250 Studien aus den Jahren 1970 bis 2015, die sich mit der Fragestellung der Auswirkung von Nachhaltigkeitskriterien auf die Performance beschäftigt haben. Deutlich weniger als 10 % der ausgewerteten Studien zeigen einen negativen Einfluss von Nachhaltigkeitskriterien auf den finanziellen Erfolg der Kapitalanlage. Allerdings weit über 50 % der Studien unterstreichen einen positiven Zusammenhang zwischen der Nutzung von Nachhaltigkeitskriterien und dem Risiko-Rendite-Profil der Kapitalanlage. Die restlichen ausgewerteten Studien stellen einen neutralen Zusammenhang fest.

Neutral schon positiv

Aus Sicht vieler nachhaltiger Investoren ist schon ein neutraler Zusammenhang positiv zu bewerten, ermöglicht er doch die Verfolgung wichtiger ökologischer und sozialer Ziele bei gleichzeitig marktgerechten Erträgen. Ob diese Vorteile realisiert werden können, hängt allerdings auch von der Qualität der Vermögensverwalter ab.