Was sind Ausschlusskriterien?

Ausschluss- oder Negativkriterien sind sozusagen die Türsteher eines Portfolios. Durch sie werden die Emittenten herausgefiltert, die nicht ins Portfolio aufgenommen werden sollen, weil sie

  • den Zielen und Werten des Anlegers nicht entsprechen bzw. sogar widersprechen oder
  • ein Risiko für die Performance der Kapitalanlage darstellen.
Ausschlusskriterien können sich auf die Geschäftspraktiken von Unternehmen beziehen. Beispielsweise geht es hier um Verstöße gegen anerkannte Menschenrechte.

Geschäftsfelder und -praktiken im Fokus

Auf Unternehmensebene können sich Ausschlusskriterien zum einen auf die Geschäftsfelder beziehen, in denen die Unternehmen tätig sind. Dabei werden Unternehmen vom Investment ausgeschlossen, die Produkte und Leistungen anbieten, die im Rahmen der Anlagestrategie als problematisch bewertet werden, beispielsweise geächtete Waffen, Tabakprodukte oder genmanipuliertes Saatgut. Ein Ausschluss kann aber auch Unternehmen betreffen, deren Geschäftsfeld nach Einschätzung des Fondsmanagers nicht zukunftsfähig ist, etwa die Förderung oder Nutzung fossiler Energien.

Zum anderen beziehen sich Ausschlusskriterien auf die Geschäftspraktiken der Unternehmen. Hier geht es beispielsweise um Verstöße der Unternehmen gegen anerkannte Arbeits- und Menschenrechte, gegen Umwelt- oder Antikorruptionsstandards. Wenn als Basis die Definition entsprechender Ausschlüsse international anerkannter Normen wie der zehn Prinzipien des UN Global Compact genutzt werden, spricht man auch von normbasierten Ausschlüssen. Auch bestimmte Wertvorstellungen, wie die der evangelischen oder katholischen Kirchen in Deutschland, können über Ausschlusskriterien berücksichtigt werden. Als Basis dienen hierfür die Leitfäden der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) und des ZDK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken), die als Kriterien für die Kapitalanlagen berücksichtigt werden.

Verschiedene Möglichkeiten zur Feinjustierung

Die Nutzung von Ausschlusskriterien beeinflusst unmittelbar die Größe des investierbaren Universums. Wie stark dieser Einfluss ist, hängt insbesondere davon ab, wie weit und wie streng die Ausschlusskriterien definiert werden.

Hier gibt es verschiedene Ansatzpunkte:

  • Definition von Umsatzgrenzen
    Hier kann z. B. festgelegt werden, ob grundsätzlich alle Hersteller von Tabakprodukten ausgeschlossen werden sollen oder nur solche, die damit einen relevanten Umsatzanteil erwirtschaften. Gängig sind hier die Umsatzgrenzen von 5 oder 10 %. Auch für die Themen Klimaschutz und fossile Energieträger kann ein Ausschluss erfolgen, wenn ein Unternehmen einen bestimmten Schwellenwert – meist 0,5 % oder 1 % – am globalen Gesamtumsatz überschreitet.
     
  • Position in der Wertschöpfungskette
    Es kann beispielsweise bestimmt werden, ob man nur die Hersteller eines kontroversen Produktes ausschließt oder auch die Unternehmen, die damit handeln.
     
  • Einbeziehung von Zulieferern
    Hierbei wird unterschieden, ob man ausschließlich die produzierenden Unternehmen betrachtet oder auch deren Zulieferer einbezieht. Besonders relevant ist dies bei Arbeitsschutz- und Menschenrechtsverletzungen, die häufig in den Zulieferbetrieben in Schwellen- und Entwicklungsländern stattfinden. 

Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen besonders streng geahndet

Laut FNG (Forum Nachhaltige Geldanlage) „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2018“ ist den Anlegern in Deutschland der Ausschluss von Unternehmen besonders wichtig, die Arbeitsrechtsverletzungen begehen. Auf den weiteren Rängen folgt der Ausschluss von Unternehmen, die selbst oder in ihrer Zulieferkette gegen anerkannte Menschenrechte verstoßen (Rang 2) und direkt oder indirekt an Umweltzerstörungen mitwirken (Rang 3).

Auch Staaten können ausgeschlossen werden

Auch bei Investments in Staatsanleihen kann mit Ausschlusskriterien gearbeitet werden. Diese können beispielsweise Staaten betreffen, in denen Korruption besonders weit verbreitet ist, die gegen Bürger- und Menschenrechte verstoßen, die die Todesstrafe anwenden oder Staaten, die nicht am internationalen Klimaschutz mitarbeiten.