Carbon Ratings - Klimarisiken in der Kapitalanlage berücksichtigen

Von den drei zentralen Klimarisiken (physische Risiken, Transitionsrisiken und Haftungsrisiken) sind aus Sicht der weit überwiegenden Zahl der Unternehmen die mit der Dekarbonisierung verbundenen Transitionsrisiken am wichtigsten. Politische Maßnahmen zur Erreichung der Treibhausgasneutralität – beispielsweise die Einführung einer CO2-Steuer oder die Einführung bzw. Verschärfung von Grenzwerten für den Energieverbrauch – können Produktionsprozesse, verwendete Technologien oder die Produktgestaltung unmittelbar beeinflussen. Auch Veränderungen im Kundenverhalten, etwa die stärkere Berücksichtigung des Energieverbrauchs beim Kauf von Elektrogeräten, gehören in diese Risikoklasse.

Klimarisiken können den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen entscheidend beeinflussen. Carbon Ratings geben Antworten auf die Frage, wie ein Unternehmen mit diesen Risiken umgeht.

Investoren brauchen Transparenz

Die Frage, wie ein Unternehmen mit diesen Risiken umgeht, kann den Markterfolg und damit die Aktienkurs-entwicklung und die Bonität, also letztendlich die dauerhafte Solvenz, beeinflussen. Antworten auf diese Grund-satzfrage geben unter anderem auch so genannte Carbon Ratings von Unternehmen. Sie stammen häufig von spezialisier-ten Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie ISS-ethix Climate Solutions, MSCI ESG, sustainalytics oder Vigeo Eiris.

Auf der Basis einer Vielzahl von Einzelkriterien bewerten Carbon Ratings unter anderem

  • die Klimaziele und -strategien der Unternehmen,
  • die Klimaverträglichkeit des Produkt- und Leistungsangebots,
  • die Risiken durch den Klimawandel für die Geschäftstätigkeit,
  • die Entwicklung der THG-Emissionen in den vergangenen Jahren sowie
  • den Umfang und die Qualität der Berichterstattung zu Klimaaspekten.

Die Nutzung der Carbon Ratings im Fondsmanagement ermöglicht es, Unternehmen zum Investment auszuwählen, die etwa im Branchenvergleich geringere Klimarisiken aufweisen. Durch die Auswahl von Branchen und Unternehmen mit geringen Treibhausgasemissionen lässt sich der Carbon Footprint eines Portfolios reduzieren. Auf diese Weise können die Risiken, die durch den Klimawandel für das Anlegerportfolio entstehen quantifiziert und reduziert werden.

Entscheidend ist die Zukunft

Carbon Ratings stellen grundsätzlich auf einen erreichten Status quo ab und geben damit einen guten Eindruck vom Umfang der Klimarisiken eines Unternehmens wieder. Für die Bewertung der Klimarisiken gewinnt zunehmend an Bedeutung, ob sich die Unternehmen auf einem stetigen Weg in Richtung Treibhausgasneutralität und damit auf dem Pfad des im Pariser Klimaabkommen vereinbarten 2-Grad-Ziels befinden.

Damit wird zukünftig neben der Bewertung des Status quo die Analyse der Ziele und Fortschritte zum Klimaschutz eine stärkere Rolle einnehmen. Aktuell sind dafür zwei Ansätze denkbar: 

  • Beim Best-in-Progress-Ansatz wird analysiert, welche Unternehmen in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte im Klimarisikomanagement gemacht haben. Von ihnen wird erwartet, auch in der Zukunft die Risiken dynamisch anzupacken und weiterhin eine führende Rolle bei der Weiterentwicklung des Klimaschutzes einzunehmen.
  • Beim Best-in-Transition-Ansatz steht die Frage im Vordergrund, ob sich die Unternehmen auch mittel- bis langfristig auf einem Transformationspfad in Richtung Treibhausgasneutralität befinden. Naturgemäß sind solche Aussagen mit einem Zeithorizont von bis zu 30 Jahren verbunden und somit entsprechend vage. Aus diesem Grund wäre dieser Ansatz noch nicht umfassend umsetzbar, da die notwendigen Daten der Unternehmen ebenso fehlen, wie eine ausgereifte Methodik für deren Bewertung. Bei diesem Ansatz werden die vom Unternehmen selbst gesteckten Ziele herangezogen. Ob und in welchem Umfang die Ziele erreicht werden, ist ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung einer Best-in-Transition Strategie und muss in die Analyse einbezogen werden.